Die Lichtquelle, unter der Sie einen Proof betrachten, beeinflusst die Farbwahrnehmung massiv. Was unter Tageslicht neutral grau aussieht, kann unter Neonlicht einen Grün- oder Magentastich zeigen. Deshalb gibt es mit D50 einen internationalen Standard für die Farbbeurteilung.
Was ist D50?
D50 bezeichnet eine standardisierte Lichtart mit einer Farbtemperatur von 5.000 Kelvin. Dieses Licht entspricht einem neutralen, leicht warm getönten Tageslicht und ist der verbindliche Beleuchtungsstandard für die Beurteilung von Proofs und Druckprodukten in der grafischen Industrie (festgelegt in ISO 3664).
Warum Bürolicht nicht geeignet ist
Handelsübliche Beleuchtung weicht erheblich von D50 ab:
- Leuchtstoffröhren: Ungleichmäßiges Spektrum mit Spitzen in bestimmten Farbbereichen
- LED-Beleuchtung: Oft zu kalt (6.500 K oder mehr), verstärkt Blauanteile
- Glühlampen: Zu warm (ca. 2.700 K), lässt Gelb- und Rottöne dominieren
Metamerie-Effekt
Besonders problematisch ist der Metamerie-Effekt: Zwei Farben, die unter einer Lichtquelle identisch aussehen, können unter einer anderen Lichtquelle plötzlich unterschiedlich wirken. Da Proof-Tinten und Offset-Druckfarben unterschiedliche chemische Zusammensetzungen haben, können Proof und Auflagendruck unter Bürolicht voneinander abweichen — obwohl sie unter D50-Normlicht identisch sind. Ein durchgängiges Farbmanagement allein reicht also nicht — auch die Betrachtungsbedingungen müssen stimmen.
Für eine verlässliche Beurteilung sollten Sie Proofs daher in einer Normlichtumgebung betrachten. Es gibt spezielle Normlicht-Leuchten und Abmusterungskabinen, die D50-Bedingungen herstellen. Achten Sie auch auf das Proofpapier — dessen optische Aufheller reagieren unterschiedlich auf verschiedene Lichtquellen. Als Minimum achten Sie auf tageslichtnahe Beleuchtung und vermeiden Sie die Betrachtung unter reinem Kunstlicht.
